Ljubinka Jokic & das Windhund Orchester

Presse

The Godmother of 2nd District

Der Pomali-Grill auf dem Gaußplatz (Grenze 2./20. Bezirk) ist seit Jahren besonders in der warmen Jahreszeit ein beliebter Treffpunkt. Eine lauschige Grätzlstimmung unter schattigen Kastanienbäumen und bunten Glühbirnen sowie die mit Abstand besten Ćevapi jenseits des Donaukanals locken Besucher von Nah und Fern ins wilde Grenzgebiet zwischen 2. und 20. Hieb, wo noch keine Szene das Sagen hat, wo sich die Gentrifizierung noch nicht hingetraut hat, wo Serbokroatisch und Türkisch neben Wienerisch selbstverständliche Alltagssprachen sind, wo – mit einem Wort – noch soziale Realität vorherrscht.

Letzten Frühling staunten Pomalistammgäste nicht schlecht, als die toughe Wirtin Ljubinka Jokić die E-Gitarre umschnallte und mit Otto Lechner zu jammen begann. Und eine kraftvolle Jugo-Soul-Stimme offenbarte, die so klang, als hätte sich ein Weltstar in der Tarnung einer Ćevapi-Grillerin sieben Jahre vor der Mafia versteckt. Ihre Sessions mit Otto Lechner und Musikern seines Windhund-Orchesters, aber auch dem Geiger Matthias Jakišić und dem Gitarristen Marko Marušić waren binnen Monaten keine Geheimtipps mehr und der beschauliche Fleck auf dem Gaußplatz quoll über vor Fans.

Ljubinka Jokić wuchs in Banja Luka, Bosnien, auf. Obgleich das Gitarristen-Gen schon lange in ihrer Familie wucherte, steckte sie ihr Vater im Alter von 7 Jahren in eine Musikschule zum Akkordeonunterricht. Die kleine Ljubinka fühlte sich hinter dem Riesending mit den 120 Bässen nicht recht wohl, und die Sehnsucht nach der ersten E-Gitarre wuchs ins Unerträgliche. Viele Berufe eignete sie sich an: Veterinärassistentin, Maschinenbauerin, Antiquitätenrestauratorin und zuletzt Wirtin – aber ihre größte Liebe blieb der Rock ‚n’ Roll. Ehe sie 1992 nach Wien emigrierte, um dort am Schubert-Konservatorium zu studieren, hatte sie sich quer durch die Kneipen von Banja Luka gespielt, mit einem bunten Repertoire, in dem ganz oben ihre Vorbilder Josipa Lisac und Vlatko Stefanovski (mit Miroslav Tadić und Theodosii Spassov am 2. und 3. Mai im Birdland!) rangierten.

Im Porgy & Bess wird Ljubinka Jokić traditionelle Lieder, Roma-Chansons vom Balkan bis Russland, Jugo-Pop-Rock-Klassiker der 70er und 80er Jahre sowie Songs von Lisac, Stefanovski, Ljiljana Petrović (aka Buttler) und Šaban Bajramović mit unvergleichlicher Verve zum Besten geben, ihre Musiker werden für solides Jazz-Rock-Backing sorgen. Otto Lechner hat sich ausbedungen, am Klavier bleiben zu dürfen – und das Akkordeon einem anderen zu überlassen: Martin Lubenov

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